Vor etwas mehr als einem Jahr war der Kölner Rapper Veedel K. der Hauptgig auf unserem Festival der Jugend. Jetzt spricht er mit uns über Corona und welche Auswirkung das auf die Kunst- und Kulturschaffenden hat.

POSITION: Während überall Lockerungen im Gange sind, treffen die Auswirkungen der Pandemie die Kunst- und Kulturszene weiterhin besonders hat. Wie geht es dir und deinen KollegInnen damit?

Veedel K: Mein „Glück“ ist, dass ich aktuell drei Nebenjobs habe und dadurch nicht auf Musik als Haupteinnahmequelle angewiesen bin. Ich habe zwar auch Einbußen durch abgesagte Konzerte, werde aber weiterhin an der GEMA-Ausschüttung beteiligt und erhalte Einnahmen durch gestreamte Songs. Ich muss zwar sehr viel arbeiten momentan, nutze meine Freizeit aber, um an neuen Songs zu schreiben.

Vielen meiner Kumpels geht es da aber anders. Ich habe mit DJs gesprochen, die große Probleme haben, weil sie ja normalerweise von den Partys leben müssen und auch die vielen Club- und Barbetreibenden müssen gerade extrem schauen, weil sie auf Kundschaft angewiesen sind. Viele Läden in Köln haben schon zugemacht. Vor allem kleine alternative Läden waren schon vor dem Ganzen bedroht und mussten gegen große Investoren kämpfen, Corona war dann für die eh schon angespannte Situation ein richtiger schlag und ich habe Angst, dass sich die Szene nicht davon erholen kann.

Am Anfang hieß es noch, dass niemand auf der Strecke bleiben werde. Welche Hilfe konnten Kulturschaffende in Anspruch nehmen?

Also ehrlicherweise muss ich sagen, dass die Leute, mit denen ich zu tun hatte, sehr wenig darüber gesprochen habe. Ich selbst habe die GEMA-Soforthilfe beantragt. Allerdings waren meine Ausfälle nicht hoch genug, um das zu rechtfertigen. Ähnliches weiß ich von DJs aus der Szene, die nur Entschädigung für Betriebskosten erhalten hätten. Doch ein DJ hat ja eigentlich keine Betriebskosten. Das Equipment wird nur einmal angeschafft und so etwas wie Fahrtkosten zahlt meist der Veranstalter und außerdem dürfte das Geld ohnehin nur für Betriebskosten genutzt werden. Das heißt dein Lohn bleibt weg, die Fixkosten für Miete, Essen und Strom bleiben und das Geld aus dem Hilfspaket darf dafür nicht verwendet werden. Außerdem schaut der Staat sehr genau hin, alle Finanzen müssen offengelegt werden, schon bei den kleinsten Abweichungen wird einem Betrug vorgeworfen und allgemein sind die Auflagen sehr hoch. Das Erinnert schon sehr an Hartz IV.

Wie geht es jetzt weiter?

Wie gesagt, die Situation war schon vor Corona angeschlagen. Was ich mir vorstellen kann, ist das jetzt Großinvestoren die entsprechenden Kulturstätten aufkaufen, um ein Franchise-Konzept für das Nachtleben durchzusetzen. So etwas wie Backwerke, nur für Clubs. Das ist eine Maßnahme, die wir natürlich abwehren müssen und ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Das heißt Solidarität ist wichtiger denn je und wir müssen auf Selbstorganisation setzen, was gar nicht so schlecht ist. Dadurch sind wir unabhängiger. In Köln zum Beispiel werden bei kleinen Läden jetzt Fensterkäufer für die Stammkundschaft organisiert und dazu aufgerufen, seine LieblingskünstlerInnen und Läden zu unterstützen. Das ist auf jeden Fall wichtig für uns und sollte unterstützt werden.

Das Interview führte Domi, Neumarkt

Quelle:

SDAJ - Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend