19 | 11 | 2019

Für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) gibt der heutige Streik ein mehr als fragwürdiges Bild ab. Ohne Not, mit vorhersehbarer geringer Streikbeteiligung, wurden tausende Flüge unnötig vorab durch die Lufthansa gecancelt. Angesichts der heute rund 100 Streikenden in Frankfurt und rund 50 Streikenden in München dränge sich ver.di der Verdacht auf, dass weit über 100.000 Passagiere unnötig abgestraft wurden, um den nach Presseberichten augenscheinlich unter schweren Korruptionsverdacht geratenen Verein UFO e.V. wieder salonfähig zu machen.

Nach dem gestrigen Gespräch (6. November) zwischen dem Lufthansa Vorstand und ver.di zieht die Gewerkschaft ein skeptisches Resümee: Für ver.di habe sich erneut gezeigt, wie ernst die Probleme in der Kabine seien. Die Spirale der Auseinandersetzungen drehe sich derzeit nicht um das Wohl der Kabinenbeschäftigten, sondern um das politisch selbstgeschaffene Bollwerk zwischen UFO und Lufthansa. ver.di betont, dass sich dies sofort ändern müsse. Notwendig sei ein klares Tarifwerk, das zeitnahe, echte und tatsächliche Verbesserungen ermögliche.

ver.di sieht das Kernproblem, um überhaupt Verbesserungen zu erreichen, in einer Vereinbarung - zwischen den derzeitigen Tarifpartnern UFO und Lufthansa - die „Monitoring“ genannt wird. Diese Regelung ist im Kern ein Absenkungsautomatismus, der stetige Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen festschreibt. So muss bis zum Jahr 2023 jedes monetäre Zugeständnis der Lufthansa im Rahmen von Tarifverhandlungen mit UFO an anderer Stelle wieder eingespart werden. Dies gilt beispielsweise für die betriebliche Altersversorgung. Da die einzusparenden Beträge jährlich steigen, gleiche das Monitoring-Instrument bei der Lufthansa einer selbstgestellten Falle, die jedes Jahr enger zuschnappe. Jede Forderung, die UFO in die Verhandlungen einbringe, werde als Nullsummenspiel durch das Monitoring gegenfinanziert. Diese Vereinbarung schüre extrem prekäre Beschäftigungsverhältnisse, wie sie unter anderem bei saisonalen Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern vorherrschen.

Wie vor diesem Hintergrund echte und spürbare Verbesserungen für die Kabinenbeschäftigten erreicht werden sollen, ist ver.di ein Rätsel. Deswegen ist es nach ver.di-Sicht unabdingbar, neue Wege mit ver.di zu gehen, denn ein „Weiter-so“ könne nicht im Interesse der Beschäftigten sein.

Quelle:

ver.di

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