17 | 08 | 2019

Da es hierzulande nach wie vor kaum Statistiken gibt, die sich mit den Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt befassen, kann man sich nur schwer ein Bild davon machen, in welchen Bereichen die Fluktuationen am größten sind, wo echte oder nur fiktive Arbeitsplätze geschaffen wurden, was mit Arbeitsuchenden geschieht, die über die ADEM an Betriebe vermittelt werden, dort allerdings, nach einer gewissen Probezeit, keine feste Anstellung erhalten.

Auch nach genauen Zahlen, wo und wie viele Arbeitsplätze in Wirklichkeit allein infolge der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise abgebaut wurden, sucht man vergeblich. So lange dies der Fall ist, bleibt der Verdacht erhalten, dass viele Firmen die Krise bis heute nur als Vorwand nehmen, um aus reiner Profitgier die Lohnmasse gezielt zu reduzieren, was zu spürbaren Reallohnverlusten geführt hat.

In den letzten Tagen bestimmen immer wieder ausführliche Berichte über Forderungen nach mehr »Demokratie« die Schlagzeilen der bürgerlichen Medien, Forderungen, die vor allem in Rußland und in Hongkong medienwirksam auf die Straßen und Plätze getragen werden. Stets sind westliche Journalisten in Mannschaftsstärke zugegen, wenn sich in den Millionenstädten Moskau oder in Sankt Petersburg einige hundert Demonstranten mit Fähnchen und Losungen auf einer Straße versammeln, um gemeinsam mit dem Liebling der westlichen Medien, einem gewissen Herrn Nawalny, gegen die nach ihrer Ansicht undemokratischen Praktiken bei Wahlen zu protestieren. Selbstverständlich sind auch jede Menge Fotografen vor Ort, wenn sich Herr Nawalny wieder einmal von Polizisten verhaften läßt, weil er zu einer nicht angemeldeten Demonstration aufgerufen hat, oder wenn Polizisten Teilnehmer dieser Aktionen vorläufig festnehmen.

Ganz unaufgeregt verabschiedete der Verwaltungsrat der Krankenkasse vor kurzem die Bilanz des Jahres 2018 der Pflegeversicherung, nachdem es in der jüngeren Vergangenheit noch zu heftigen Auseinandersetzungen wegen der von der Regierung beabsichtigten Sparmaßnahmen gekommen war.

Gegen Leistungskürzungen waren Sozialorganisationen, Gewerkschaften und politische Parteien, aber auch die Dachorganisation der Dienstleister Sturm gelaufen, wenn auch aus unterschiedlicher Motivation.

Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der lohnabhängig Angestellte an seinem Arbeitsplatz. Ein zeitlich sehr großer Teil des Lebens also, in welchem keine oder nur eine sehr begrenzte Möglichkeit besteht, unliebsamen oder gar feindseligen Mitmenschen aus dem Weg zu gehen, wie dies im privaten Bereich der Fall ist.

Dies führt mit sich, daß diese Menschen sich aufgrund der Notwendigkeit des Lohnerwerbs in eine auch räumliche Abhängigkeit begeben, in welcher sie auf Gedeih und Verderb der Personalkonstellation ausgeliefert sind. Daß es in diesem Zusammenhang immer häufiger zu Spannungen kommt, zeigte erneut eine rezente Erhebung der Salariatskammer, nach welcher im vergangenen Jahr mehr als 18 Prozent der Lohnabhängigen in Luxemburg bereits von Mobbing betroffen waren, ein Anstieg um sechs Prozent gegenüber 2014 und sicher noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Die Schotten haben das Ungeheuer von Loch Ness, das jedes Jahr im Sommer auftaucht, die Luxemburger »de Bommeleeër«, der zu Beginn des diesjährigen Sommerlochs, nachdem er sich zuvor für längere Zeit aus der Öffentlichkeit verabschiedet hatte, erneut Wellen schlägt.

Inzwischen haben die Sommerschulferien begonnen, und für den 27. Juli kündigt sich der Kollektivurlaub im Bauwesen an. Das ist die Zeit, in der sich in Luxemburg viele Räder langsamer drehen, während das politische Geschehen während Wochen quasi zum Stillstand kommt.

Die Liberalisierung der Postdienste hat, seit sie von der Europäischen Union mit der Zustimmung der konservativen, liberalen und sozialdemokratischen Regierungen und Parteien in den einzelnen EU-Ländern verordnet und umgesetzt wurde, viel Unheil angerichtet.

Die gedruckte Presse macht gegenwärtig schwere Zeiten durch, und die Auflagen vieler Tages- und Wochenzeitungen befinden sich in freiem Fall – Luxemburg ist da keine Ausnahme.

Die Privatanzeigen und andere, regelmäßige Einnahmen gingen während der vergangenen Jahre stark zurück und verlagerten sich zum großen Teil auf die audiovisuellen Medien. Gratis-Zeitungen, herausgegeben von großen Medienkonzernen, trugen dazu bei den Eindruck zu verstärken, Information koste nichts und müsse daher gratis angeboten werden.

Eine Pizza und ein Bier. Soviel kostet in Luxemburg der monatliche Mitgliedsbeitrag in einer Gewerkschaft. Es kann also nicht nur am Kostenfaktor liegen, daß immer weniger Menschen die Notwendigkeit sehen, gewerkschaftlich organisiert zu sein. Das Verständnis, daß all die erreichten sozialen Errungenschaften und Verbesserungen in den Betrieben von den Generationen vor uns teils hart erkämpft werden mußten und keine Selbstverständlichkeit oder gar patronale Gutherzigkeit darstellen, geht leider immer mehr verloren. Das liegt vor allem an der gezielten Entpolitisierung und Sozialpartnerschaft der vergangenen Jahrzehnte.

Nicht nur ältere oder gesundheitlich angeschlagene Menschen empfinden die derzeitigen Temperaturen als deutlich wärmer, als es sein sollte. Wer nicht das Glück hat, sein Tagewerk in vollklimatisierten Räumen oder Fahrzeugen verrichten zu können, wer gar zum Beispiel als Dachdecker acht Stunden lang der prallen Sonne ausgesetzt ist, denkt sehnsüchtig an Zeiten zurück, in denen wir es in unseren Breiten noch nicht fast jedes Jahr mit einem »Jahrhundertsommer« zu tun hatten.

Am 20. Juni gab der Rat der Gemeinde Bissen mit vier gegen zwei Stimmen bei fünf Enthaltungen grünes Licht für die Umklassierung einer 33,7 Hektar großen Fläche in eine »Spezialzone Datacenter«, die für den Bau eines Rechenzentrums des USA-Internetkonzerns Google genutzt werden soll.

Abgesehen davon, dass fast die Hälfte der Ratsmitglieder sich bei der Abstimmung enthielten und sich damit quasi überflüssig machten, fiel auf, dass der Gemeinderat erneut eine wichtige Entscheidung fällte, ohne über die notwendigen Fakten zu verfügen und ohne über die möglichen Auswirkungen des geplanten Datenzentrums ausreichend informiert zu sein.

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