08 | 12 | 2019

farc epMit einem Kommuniqué der FARC-EP (Zweites Marquetalia) wendet sich die wieder unter Waffen stehende FARC-EP an die Öffentlichkeit. Auf einer neuen Webseite, http://farc-ep.net/, wurde dieses Kommuniqué auch im Zuge der großen Mobilisierungen gegen die Regierung Duque veröffentlicht. Ein großes Nationales Abkommen ist seit jeher das Ziel der Guerilla.

„Die Regierung des Präsidenten Duque, die auf die Kontinuität der Macht der Uribe-Mafia aus ist, kann als eine der schlimmsten seit der Gründung der Republik in die Geschichte eingehen. Wir Kolumbianer leben in einer Zeit des Unglücks. Seit einem Jahr und zwei Monaten haben wir einen Präsidenten, der von der gesellschaftlichen Realität geistesabwesend ist, sich aber sehr darauf konzentriert, Nicolás Maduro zu stürzen und Venezuela zu destabilisieren. Immer den Strohhalm im Auge der anderen sehen, während viele Menschen in den Mülltonnen nach Nahrung suchen, ohne Gesundheit umherziehen, ohne Beschäftigung, ohne würdevolle Wohnung und ohne die Möglichkeit einer guten Ausbildung.“

Im Januar 2020 treffen sich die Delegierten der Partei der Alternativen Revolutionären Kraft des Volkes – FARC zu ihrem Kongress. Dieser Kongress ist nicht nur ein elementarer Bestandteil in der Entscheidungsgewalt der Partei, sondern vor allem richtungsweisend zur Bestimmung der Zukunft. Und die Zukunft sieht zumindest innerhalb der Partei alles andere als rosig aus, auch wenn die Rose das Parteilogo ist. Denn die Partei durchläuft derzeit einen schwierigen Prozess, der von Spaltungen, Unzufriedenheit und ernüchternden Wahlergebnissen geprägt ist.

Nach dem der aktuelle Präsident Iván Duque nach einem Jahr und etwas mehr als drei Monaten im Amt ist, erlebt er die größte Mobilisierung seit vielen Jahren in Kolumbien und erfährt damit seine bisher größte politische Krise. Grund der im ganzen Land getätigten Demonstrationen, Streiks und anderen Aktionen sind die Sozialreformen der Regierung sowie die aktuelle politische und soziale Situation im Land wie die mangelnde Umsetzung des Friedensabkommens mit der FARC.

In vielen Wochen wuchs eine Mobilisierungswelle im ganzen Land heran, die ihren Ursprung in den Zentren der Arbeiterschaft und bei den Studenten haben. Nach und nach schlossen sich viele soziale und politische Bewegungen an. Die letzten großen Mobilisierungen gab es im Jahr 2016 im Rahmen des Friedensabkommens und davor sicherlich die sogenannten Märsche gegen die FARC im Jahr 2008. Dabei waren nicht nur die großen Städte involviert, sondern auch mittlere und kleinere Städte im ganzen Land.

In einem aktuellen Kommuniqué äußert sich die Partei FARC besorgt über die politischen Interventionsbestrebungen der kolumbianischen Regierung:

Die Partei der Alternativen Revolutionären Kraft des Volkes bringt gegenüber der nationalen und internationalen Gemeinschaft ihre Besorgnis über das enthüllende Gespräch zwischen dem derzeitigen Botschafter Kolumbiens in den Vereinigten Staaten, Dr. Francisco Santos, und die neu ernannte Kanzlerin Kolumbiens, Dr. Claudia Blum, zum Ausdruck.  Dieses Gespräch unterstreicht die von der Regierung von Iván Duque geförderte Strategie, die Regierungen in der Region zu destabilisieren, insbesondere die der Bolivarischen Schwesterrepublik Venezuela, durch „verdeckte Aktionen“ auf dem Gebiet des benachbarten Territoriums „Lärm zu erzeugen“, in einer offenen Ignoranz gegenüber den Grundprinzipien des Völkerrechts.

farc epNachdem ehemalige hochrangige Kommandierende der FARC-EP wie Iván Márquez, Jesús Santrich, El Paisa, Romaña und andere im kolumbianischen Osten die neue FARC-EP (Zweites Marquetalia) ausgerufen haben und wieder zu den Waffen gegriffen haben wird nun mit Spannung geschaut, wie die bereits unter Waffen stehenden Fronten um Gentil Duarte (Fronten 1, 7 und 27) dazu verhalten. Im Allgemeinen muss davon ausgegangen werden, dass die Gruppe um Iván Márquez zwar politische Führungspersonen in ihren Reihen hat, jedoch keine kämpferische Truppe. Bei der Gruppe um Márquez und Santrich handelt es sich um eine kleine Gruppe, die zwar enorm politisch geschult sind und in ihren Erklärungen einen klaren politischen Charakter erkennen lässt, vor allem auch mit der Suche um nationale und internationale Öffentlichkeit, doch bei den sogenannten dissidentischen Gruppen um Gentil Duarte handelt es sich um große Gruppen von Hunderten Kämpfern und Milizionären, die über eine politisch-militärische Kontrolle von großen Regionen im Süden Kolumbiens verfügen. Damit können Márquez und Santrich nicht aufwarten.

Kommuniqué der FARC zum Ausreiseverbot für Victoria Sandino nach Europa:

Das Recht der Senatorin Victoria Sandino, sich international frei zu bewegen, wird verweigert, obwohl sie keine restriktiven Maßnahmen zur Ausreise hat.

Ohne eine eingehende Analyse der Situation zu ergreifen, hat die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP) der kolumbianischen Senatorin Victoria Sandino von der Partei Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes – FARC das Recht verweigert, das Land zu verlassen und damit den Rahmen ihrer Befugnisse überschritten, auch für diejenigen, die keinen restriktiven Maßnahmen gemäß dem Dekret Gesetz Nr. 2125 von 2017 unterliegen. Sie hat keine restriktiven Maßnahmen, um das Land zu verlassen und daher unterliegt sie nicht der Genehmigung dieser Gerichtsbarkeit.

Nach dem Massaker an der indigenen Nasa-Gemeinschaft in der Gemeinde Toribío durch die Kolonne Dagoberto Ramos der dissidentischen FARC gab es einen Aufschrei in Kolumbien. Wiederholt wird der mangelnde Schutz von lokalen Gemeinschaften sowie von sozialen und politischen Bewegungen kritisiert. Im Mittelpunkt steht dabei die kolumbianische Regierung, die oftmals Hinweise der Gemeinden missachtet und Schutz verwehrt. Im Gegenteil, das Militär ist in viele Fälle von Ermordungen von sozialen Aktivisten und ehemaligen FARC-Kämpfern involviert.

Kolumbiens FARC-Guerilla schließt neue Friedensgespräche nicht aus. Das sagten die in den Untergrund zurückgekehrten Kommandeure Iván Márquez und Jesús Santrich in einem Exklusivinterview für die in Berlin erscheinende Tageszeitung »junge Welt« (Freitagausgabe). Voraussetzung für einen neuen Dialog sei aber die Ablösung von Staatschef Iván Duque und dessen Kabinett durch Bildung einer Übergangsregierung.

Übersetzung eines Kommuniqués der FARC:

Am letzten Donnerstag, dem 11. Oktober, gab es zwei Angriffe auf das politische Hauptquartier der Kommunistischen Partei und der Patriotischen Union sowie gegen das Hauptquartier der Alternativen Revolutionären Kraft des Volkes (FARC), einer Partei, die aus dem Friedensabkommen hervorgegangen ist. In beiden Fällen hinterließen die Angreifer Drohschriften.

Es ist ein sehr schwerwiegendes Ereignis inmitten eines Wahlkampfs, der durch das Fehlen von Sicherheitsgarantien gekennzeichnet ist, jenseits der Aussagen der Sprecher der nationalen Regierung, die besagen, dass Garantien für alle politischen Parteien und Bewegungen bestehen.

FARC neuDie Erinnerung und das Gedenken an Guerilleras und Guerilleros, die im Kampf gefallen sind, war schon zu Zeiten der aufständischen Bewegung ein wesentliches Element in der Daseinsberechtigung und Erinnerungspolitik. Auch heute, in Zeiten des Friedensabkommens, erinnert die zur Partei transformierte FARC an ihre ehemaligen Kämpfer, im Besonderen jedoch an ihre Führungspersonen.

Auch wenn man in den Wiedereingliederungszonen unterwegs ist, gibt es Wandbilder, kleine Museen, Feste, Bücher und vieles mehr, was an die eigenen Genossinnen und Genossen erinnert. Am meisten jedoch überwiegen die persönliche Erinnerung und Gedanken an die Kämpferinnen und Kämpfer, die man mal sporadisch gesehen hat oder mit denen man über längere Zeit in einer Struktur organisiert war.

Die Bekleidungsmarke „La Montaña“ (Der Berg) wurde in der Wiedereingliederungszone von La Plancha in Anorí in der Provinz Antioquia in Nordwesten Kolumbiens geboren. Eine Gruppe von 25 ehemaligen Kämpfern der FARC und mit körperlichen Einschränkungen, die durch den Krieg versursacht wurden, entwarf und produzierte früher Uniformen und Ausrüstung für die Guerilla und heute Taschen für Kinder, Kleidung, Brieftaschen und andere Accessoires mit der Marke, die sie während des Prozesses der Wiedereingliederung in das zivile Leben gründete. Heute wollen sie mit ihrer Kleidung und ihren Accessoires bis nach Europa.

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