19 | 11 | 2019

Wieder ist es zu einem Mordanschlag auf sich im Wiedereingliederungsprozess befindliche ehemalige FARC-Kämpfer gekommen. Diesmal hat ein mutmaßlicher Auftragskiller am Freitag auf eine Gruppe von drei FARC-Mitgliedern in der großen nordostkolumbianischen Stadt Cúcuta. Zwei von ihnen, Milton Urrutia Mora und José Milton Peña Pineda., starben noch vor Ort in dem Hotel, in dem sie gerade beim Frühstück waren, als die unbekannte Person das Feuer eröffnete.

Aus dokumentarischen Gründen dokumentieren wir nachstehend die vom Blog »Kolumbien-Info« besorgte deutsche Übersetzung der am 29. August veröffentlichten Erklärung der neuen FARC-EP:

Eine neue Etappe des Kampfes für das Erwachen des Bewusstseins

Von Inírida aus, das mit der Zärtlichkeit seines Süßwassers den Amazonasdschungel und den Orinoco streichelt, umströmt vom Duft nach reifer Ananas des Vaupés, verkünden wir der Welt, dass das zweite Marquetalia begonnen hat. Wir berufen uns dabei auf das universelle Recht aller Völker der Welt, sich bewaffnet gegen die Unterdrückung zu erheben.

Es ist die Fortsetzung des Guerillakampfes als Antwort auf den Verrat des Staates am Friedensabkommen von Havanna. Es ist der Marsch des einfachen, ignorierten und verachteten Kolumbiens hin zur Gerechtigkeit, die die Hügel der Zukunft erhellt. Es wird die Zukunft des sicheren Friedens sein, der nicht verraten wird, die ihre Flügel der Sehnsüchte des Volkes ausbreitet und sich über die Niederträchtigkeit des Establishments erhebt.

Die Republik Kuba und das Königreich Norwegen, Garantieländer bei den Gesprächen zwischen der Regierung Kolumbiens und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens – Armee des Volkes (FARC-EP), die mit der Unterzeichnung der Schlussvereinbarung zur Beendigung des Konfliktes und dem Aufbau eines Stabilen und Dauerhaften Friedens abgeschlossen wurden, bekräftigen ihre Verpflichtung zum Frieden in Kolumbien und bringen ihre tiefe Besorgnis zum Ausdruck, was die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes einiger Mitglieder der FARC-EP angeht.

Nach der Ankündigung einer Gruppe um die Comandantes Iván Márquez, Jesús Santrich und Hernán Darío Velásquez, El Paisa, unter dem alten Namen »Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Armee des Volkes« (FARC-EP) zum bewaffneten Kampf zurückzukehren, hat die aus der früheren Guerilla hervorgegangene Partei »Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes« (FARC) ihre Verpflichtung zum Frieden bekräftigt. Der FARC-Vorsitzende Rodrigo Londoño, (Timochenko) erklärte laut Telesur, dass sich die große Mehrheit der Mitglieder seiner Organisation trotz aller Schwierigkeiten und Hindernissen weiterhin dem Vertrag verpflichtet fühle. »Über 90 Prozent der Ex-Guerilleros sind weiter dem Friedensprozess verpflichtet«, schrieb er auf Twitter.

Der Zweitranghöchste der FARC, Iván Márquez, der bei internen Wahlen jedoch die meisten Stimmen der FARC-Mitglieder gewinnen konnte und dessen Aufenthaltsort seit mehr als einem Jahr unbekannt ist, taucht nun in einem Video zusammen mit anderen ehemaligen Kommandierenden der ehemaligen Guerilla auf, um „eine neue Phase des bewaffneten Kampfes“ anzukündigen.

So heißt es in dem Video und in dem Kommuniqué: „Wir verkünden der Welt, dass das zweite Marquetalia unter dem Schutz des universellen Rechts begonnen hat, das allen Völkern der Welt hilft, sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Es ist die Fortsetzung des Guerillakampfes als Reaktion auf den Verrat des Staates am Havanna-Friedensabkommen“. In Marquetalia wurde einst die FARC im Jahr 1964 geboren. Das Kommuniqué und das Video wurden auf einer neuen Seite der „neuen alten“ FARC-EP veröffentlicht, Márquez steht dort in Militäruniform mit anderen zwanzig schwer bewaffneten Personen. Er selbst trägt eine Pistole.

In den Abendstunden des 28. August 2019 veröffentlichte ein anonymer Account auf dem Online-Videoportal YouTubeeine Erklärung des seit über einem Jahr untergetauchten ranghohen Führers der Linkspartei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común - FARC (Alternative Revolutionäre Kraft des Volks), Iván Márquez. In der Erklärung erklärt Márquez, seinerzeit Chefunterhändler für die marxistische Guerilla im nunmehr endgültig gescheiterten Friedensprozess, dass man den bewaffneten Kampf wieder aufnehmen werde. An seiner Seite stehen in dem Video die ebenfalls seit längerer Zeit untergetauchten ranghohen Ex-Kommandeure der Guerilla Jesús Santrich und Hernán Darío Velásquez (alias: El Paisa). Laut Márquez wurde das Video in der Nähe des im Südosten Kolumbiens gelegenen Flusses Inírida aufgenommen. Bereits am Morgen desselben Tages wurde durch den Direktor der Fundación Paz y Reconciliación (Stiftung für Frieden und Versöhnung) Ariel Ávila das Gerücht verbreitet, die Gründung einer neuen Guerilla stehe unmittelbar bevor.

„Die ‚angekündigte Wiederaufnahme‘ des bewaffneten Kampfes durch führende Köpfe der ehemaligen kolumbianischen Guerillaorganisation FARC-EP ist ein herber Rückschlag für den Friedensprozess in Kolumbien und gefährdet das Friedensabkommen in seiner Gänze“, warnt Heike Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag.

Iván Márquez und Jesús Santrich in dem Video. Screenshot: YoutubeIván Márquez und Jesús Santrich in dem Video. Screenshot: YoutubeAngeführt von den Comandantes Iván Márquez, Jesús Santrich und »El Paisa« hat eine Fraktion der aus der früheren Guerillaorganisation FARC-EP hervorgegangenen Partei FARC entschieden, wieder in die Berge zu gehen und zum bewaffneten Kampf zurückzukehren. In einem am Donnerstag im Internet verbreiteten Video kündigt Márquez den Beginn des »zweiten Marquetalia« an – ein Hinweis auf die Gründung der FARC-EP Mitte der 1960er Jahre. Die Entscheidung stütze sich auf das »universelle Rechte, das es allen Völkern der Welt erlaubt, sich bewaffnet gegen die Unterdrückung zu erheben«. In der Aufnahme ist er neben rund 20 bewaffneten Männern und Frauen in Uniformen der FARC-EP zu sehen.

In Kolumbien kann man allerlei erleben. Dass sich dissidentische Gruppen der FARC in vielen Landstrichen ausgedehnt haben, ist nicht neu. Und auch nicht neu ist der Wahlkampf der aktuellen politischen Partei FARC, aus der ehemaligen aufständischen Bewegung heraus entstanden. Doch nicht aller Tage erleben kann man folgendes Ereignis:

Mit einem Fahrzeug und seiner Schutzeskorte war Emiro del Carmen Ropero in der kolumbianischen Provinz Norte de Santander unterwegs, um Wahlkampf für die bevorstehenden Regionalwahlen zu machen. Emiro del Carmen Ropero ist besser bekannt unter seinem ehemaligen Kriegsnamen „Rubén Zamora“, den er als ehemaliger Kommandant der 33. Front der FARC trug. Nun ist er politischer Kandidat für seine Partei FARC.

Die neue politische Partei und ehemalige aufständische Bewegung FARC hat weiterhin mit großen Schwierigkeiten im Land zu kämpfen. Zwar gibt es mit der juristischen Anerkennung einiger Wiedereingliederungszonen als normale kolumbianische Dörfer Fortschritte, doch im Kleinen fehlt es an Unterstützung der produktiven Projekte in verschiedenen Zonen sowie auch weiterhin an der politischen Teilhabe. Immer wieder kommt es nicht nur zu Bedrohungen, sondern auch Angriffen oder Morden gegen ehemalige Guerillakämpfer. Zuletzt verurteilte die Provinzleitung der FARC in der Provinz Meta den Angriff auf zwei Mitglieder ihrer Gemeinschaft, „die sich für die Erhaltung erneuerbarer und nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen sowie für die Entwicklung und Stärkung der lokalen Wirtschaft und die Verteidigung von Friedensabkommens einsetzen.“

Es ist Wahlkampf in Kolumbien. Es werden die Kommunalwahlen stattfinden und die FARC, die neue aus der ehemals aufständischen Bewegung FARC-EP heraus entstandene Partei, tritt zum ersten Mal mit rund 80 eigenen Kandidat*innen und in noch mehr Koalitionen mit anderen progressiven Parteien und Bündnissen an.

Waren die letzten Wahlen eher frustrierend für die FARC, so erhofft man sich von den Kommunalwahlen wieder den Kontakt zur Basis zu erlangen. In Zeiten des Kreiges war dieser enorm wichtig und ein wichtiger politisch-sozialer Baustein, der anscheinend in der zurückliegenden Zeit nicht ordentlich gepflegt wurde.

Im Folgenden präsentieren wir einen Artikel über die Genossin Isabela, ehemals Kommandantin im Ostblock der FARC-EP. Der Artikel wurde veröffent auf Mujerfariana.

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