Montag, 22. Oktober 2018
Solidaritätsanzeige

Alex­an­der Ja­ki­men­koIn der russischen Boulevardzeitung »Komsomolskaja Prawda« nahm der frühere ukrainische Geheimdienstchef  Alex­an­der Ja­ki­men­ko am 19. März Stellung zu den Hintergründen des Umsturzes in Kiew. Das Original ist hier zu finden. Die gekürzte deutschsprachige Übersetzung besorgte »Nestor Machno« in seinem Blog »Der ganz normale Wahnsinn - Nachrichten aus der Marktwirtschaft und von der Ideologie-Front«. Wir dokumentieren den Text.

KP: … nach Ihren In­for­ma­tio­nen, ent­stand die Be­we­gung auf dem Mai­dan spon­tan, oder war sie gründ­lich vor­be­rei­tet?

A.J.: Ei­ner­seits war sie spon­tan, an­de­rer­seits war das eine Ak­ti­on, die mehr als ein Jahr vor­be­rei­tet wor­den war. Auf­grund der In­for­ma­tio­nen, über die wir ver­fü­gen, be­rei­te­ten Eu­ro­pa und die USA diese Pro­test­ak­tio­nen für das Jahr 2015 vor. Sie be­schlos­sen, daß sie kei­nen Prä­si­den­ten Ja­nu­ko­witsch brau­chen. Gleich­zei­tig woll­te der Wes­ten, daß die Ukrai­ne den­noch aus Ruß­land Geld er­hal­ten soll­te, um seine Wirt­schaft zu ent­wi­ckeln. Mit China und Russ­land waren Ver­trä­ge un­ter­zeich­net wor­den, um be­deu­ten­de In­ves­ti­tio­nen in die ukrai­ni­sche Wirt­schaft her­ein­zu­be­kom­men – es ging um viele Mil­li­ar­den Dol­lar. Das war mit der EU ver­ein­bart. Aber fürs Jahr 2015 woll­ten sie, mit­tels des Mai­dan, (also durch Pro­tes­te der Stra­ße) den Prä­si­den­ten aus­wech­seln und einen an­de­ren ein­set­zen, der dem Wes­ten recht ge­we­sen wäre und die Ukrai­ne mit dem Geld Ruß­lands nach Eu­ro­pa füh­ren würde. Aber die Si­tua­ti­on än­der­te sich. Und Eu­ro­pa und die USA muß­ten vom Blatt im­pro­vi­sie­ren.

 

Ich möch­te be­to­nen, daß der Prä­si­dent und die Re­gie­rung ihren Ver­pflich­tun­gen ge­gen­über Eu­ro­pa, dem Mai­dan, den Füh­rern der Op­po­si­ti­on stets nach­ge­kom­men sind. Nicht nur sie, son­dern auch die Si­cher­heits­be­hör­den. Keine ein­zi­ge Ver­ein­ba­rung mit dem Mai­dan, oder bes­ser: mit den Füh­rern der Op­po­si­ti­on, wurde von ihnen nicht ein­ge­hal­ten. Aber sie wur­den in einem fort be­tro­gen. Wäh­rend der Prä­si­dent einen Kom­pro­miß such­te, konn­te die Op­po­si­ti­on kei­nen Kon­sens fin­den, weder un­ter­ein­an­der noch mit dem Mai­dan. Und des­halb wurde keine Be­din­gung der Über­ein­kunft er­füllt.

KP: Es gab eine große Masse von Men­schen auf dem Platz. Und das Rück­grat der­sel­ben war straff struk­tu­riert. Woher kam das?

A.J.: Es gab so­ge­nann­te Vysch­ko­ly (ukrai­nisch-​weiß­rus­si­scher Be­griff, Schu­lun­gen, Fe­ri­en­la­ger), die zwei oder drei Mal im Jahr statt­fan­den, und zu denen junge Men­schen gin­gen, um sich für Kampf­hand­lun­gen vor­zu­be­rei­ten.
Sie fan­den in den Wäl­dern der west­li­chen Re­gio­nen statt, und wenn es nicht mög­lich war, wur­den diese im Aus­land ab­ge­hal­ten – in Polen, Li­tau­en und Lett­land. Und diese sol­cher­ma­ßen ge­schul­ten Grup­pen waren straff or­ga­ni­siert und lenk­bar. Sie hat­ten ihre An­füh­rer – für Zeh­ner­grup­pen und Hun­dert­schaf­ten. Diese Aus­bil­dungs­la­ger wur­den be­reits unter der Prä­si­dent­schaft Juscht­schen­kos ge­plant, und die West­ukrai­ne er­hielt dafür be­trächt­li­che Mit­tel aus dem staat­li­chen Bud­get. Die Re­gio­nal­par­la­men­te hat­ten be­reits Be­schlüs­se ge­faßt, diese Mit­tel für diese Aus­bil­dungs­la­ger zu ver­wen­den, wo zu­künf­ti­ge Kämp­fer unter dem Deck­man­tel von Kampf­sport­ar­ten aus­ge­bil­det wur­den. Die Gel­der aus dem Bud­get wur­den so ver­wen­det, mit dem Ar­gu­ment, das sind un­se­re Kin­der, wir ver­sor­gen sie, und sie spie­len ja nur.
Und ei­ni­ge die­ser Hun­dert­schaf­ten er­schie­nen um ei­ni­ges spä­ter auf dem Mai­dan. Sie wur­den spe­zi­ell an­ge­karrt, um ge­walt­tä­ti­ge Ak­tio­nen in die Wege zu lei­ten.

KP: Es wur­den Tote in Kauf ge­nom­men. Was ist über die ers­ten Toten be­kannt? Die Ge­schich­te mit die­sem Ar­me­ni­er ist un­klar. Und mit dem Weiß­rus­sen auch. (Die ers­ten Toten auf dem Mai­dan waren ar­me­ni­scher und weiß­rus­si­scher Na­tio­na­li­tät.)

A.J.: Die ers­ten Opfer tauch­ten auf Hru­schevs­ko­vo-​Stra­ße auf. An die­sem Tag war die Lage sehr an­ge­spannt, es kam zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den „Ber­kut“-​Trup­pen, den Ein­hei­ten des In­nen­mi­nis­te­ri­ums und den op­po­si­tio­nel­len Kräf­ten – von „Swo­bo­da“, dem „Rech­ten Sek­tor“ und den Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­ten. Die „Ber­kut“-​Ein­hei­ten at­ta­ckier­ten und dräng­ten die Brand­bom­ben, Stei­ne und an­de­re Ge­gen­stän­de Wer­fen­den zu­rück. Im Zuge einer die­ser Vor­stö­ße zogen sich die „Ber­kut“-​Ein­hei­ten 10-15 Meter zu­rück und stan­den hin­ter den Ein­satz­kräf­ten des In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Aber an der Stel­le, wo die (op­po­si­tio­nel­len) Ak­ti­vis­ten und Mi­li­tan­ten stan­den, lagen auf ein­mal zwei Lei­chen. Woher die kamen, konn­te nie­mand er­klä­ren. Von denen, die diese bei­den jun­gen Män­ner ge­tö­tet haben, wurde die Theo­rie ver­brei­tet, daß die Lei­chen nach dem „Ber­kut“-​An­griff ge­fun­den wor­den waren. Aber die „Ber­kut“-​Leu­te waren gar nicht bis zu die­ser Stel­le vor­ge­sto­ßen! Und der Lärm wurde schnell er­stickt.
Es gab gar keine Re­ak­ti­on auf diese bei­den Lei­chen­fun­de. Dazu kommt, daß die Po­li­zei, als sie die bei­den Lei­chen un­ter­su­chen konn­te, fest­stell­te, daß die Ein­schüs­se in einem 45-​gra­di­gen Win­kel von unten er­folgt waren. Der Ort, wo sie er­schos­sen wur­den, ist bis heute un­be­kannt. Es ist auch von In­ter­es­se, daß ein Video über den er­schos­se­nen Ar­me­ni­er 40 Mi­nu­ten nach sei­ner Er­mor­dung (am In­ter­net) er­schien. Auf­nah­men, auf denen er (Ge­dich­te von) Schew­t­schen­ko re­zi­tiert, und ein Foto von ihm. Das war alles für sei­nen Tod vor­be­rei­tet. Aber die „Ber­kut“-​Ein­hei­ten und die­je­ni­gen des In­nen­mi­nis­te­ri­ums hat­ten zu die­sem Zeit­punkt nur Schlag­stö­cke und Feu­er­lö­scher bei sich, um sich vor den Mo­lo­tow-​Cock­tails zu schüt­zen.

(Es folgt ein Be­richt dar­über, wie Klitsch­ko ver­such­te, sich auf dem Mai­dan wich­tig zu ma­chen und von den Rechts­ra­di­ka­len eine Ab­fuhr er­hielt. Nur auf­grund des Schut­zes ei­ni­ger Af­gha­nis­tan-​Ve­te­ra­nen kam er un­ge­scho­ren davon.)

KP: Sie er­wähn­ten Po­ro­schen­ko. (Po­ro­schen­ko ist einer der gro­ßen Olig­ar­chen der Ukrai­ne. Wegen einer Süß­wa­ren­fa­brik, die er be­sitzt, nennt man ihn den „Scho­ko­la­de­kö­nig“) Es stellt sich her­aus, daß er sich durch den Mai­dan zu einem der füh­ren­den Po­li­ti­ker ent­wi­ckelt hat. Gab es Olig­ar­chen, die den Mai­dan nicht un­ter­stütz­ten?

A.J.: Im We­sent­li­chen keine. Sie wur­den zu Gei­seln der Si­tua­ti­on, die sie selbst her­bei­ge­führt hat­ten. Ihre Ver­mö­gens­wer­te, Bar­geld, die sie im Laufe der Jahre an­ge­sam­melt haben, sind in Eu­ro­pa und den USA.
Was Po­ro­schen­ko be­trifft, so ist es nicht der Mai­dan, der ihn zum Füh­rer ge­macht hat, son­dern die, die ihn steu­ern. Das sind die Bot­schaft der USA und die EU.

KP: Um ehr­lich zu sein, es war ver­wun­der­lich, in wel­chem Aus­maß west­li­che Di­plo­ma­ten wäh­rend der Er­eig­nis­se auf den Mai­dan pil­ger­ten.

A.J.: Und das an­ge­sichts des­sen, was dort vor sich ging. Ge­bäu­de wur­den er­stürmt, man schlug sich ge­gen­sei­tig den Schä­del ein. Und plötz­lich ver­sam­meln sich dort die Lei­ter der Bot­schaf­ten. Wie ist das mit den in­ter­na­tio­na­len Ge­pflo­gen­hei­ten ver­ein­bar? Daß Bot­schaf­ter kom­men und rund um die be­setz­ten staat­li­chen Ge­bäu­de spa­zie­ren. Und es fan­den stän­dig Tref­fen mit Ab­ge­sand­ten aus den Bot­schaf­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Po­lens statt. Ich kann da ei­ni­ges auf­zäh­len. Kaum gab es einen der re­gel­mä­ßi­gen Sprit­zer des Ra­di­ka­lis­mus auf dem Mai­dan, schon be­gan­nen eine halbe Stun­de spä­ter Eu­ro­pa und die USA zu schrei­en, der Prä­si­dent und die Si­cher­heits­kräf­te dürf­ten dem kei­nes­wegs mit Ge­walt be­geg­nen. Sie ver­ur­tei­len den Ein­satz von Ge­walt gegen die fried­li­chen Pro­tes­te! Wäh­rend die­ser Zeit war es phy­sisch un­mög­lich, auch nur eine Pres­se­mit­tei­lung schrei­ben.
Im We­sent­li­chen fi­nan­zier­te sich der Mai­dan zu­nächst durch ver­schie­de­nen Kräf­te, in un­ter­schied­li­cher Weise, wie durch ver­schie­de­ne nicht­staat­li­che Stif­tun­gen, ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen, aber auch Bot­schaf­ten. Dies wird durch die Tat­sa­che be­legt, daß sich in­ner­halb einer kur­zen Zeit­span­ne die Di­plo­ma­ten­post bei­na­he ver­zehn­facht hat.

KP: Aus den USA?

A.J.: Nicht nur. Auch aus Polen. In un­ter­schied­li­chen Men­gen, je­weils über die ei­ge­nen Bot­schaf­ten. Aus den USA per Flug­zeug, aus Polen mit Au­to­bus­sen. Auf dem Mai­dan be­gan­nen frisch­ge­druck­te Dol­lars auf­zu­tau­chen. Und in Wech­sel­stu­ben, die in der Nähe des Mai­dan waren, gab es diese Dol­lars als Wech­sel­geld. Das zeigt ei­ni­ges auf. Auf den Mai­dan wur­den neue Zelte ge­bracht, mit teu­rer Aus­rüs­tung wurde die Dau­er­haf­tig­keit die­ser Mai­dan-​Pro­tes­te ge­währ­leis­tet. Auf ein­mal wur­den ku­gel­si­che­re Wes­ten, Schlag­stö­cke, Schil­de, Helme und Gas­mas­ken ein­ge­kauft.

KP: Es stellt sich also her­aus, daß das alles vor­her vor­be­rei­tet war?

A.J.: Das Sys­tem ent­wi­ckel­te sich mit der Zeit. Ur­sprüng­lich war alles für 2015 vor­ge­se­hen. Zu Be­ginn der Wahl­kam­pa­gne hätte sich die Pro­test­be­we­gung auf dem Mai­dan bil­den und Ak­tio­nen an­stif­ten sol­len, die sich dann zu einer be­waff­ne­ter Kon­fron­ta­ti­on wei­ter­ent­wi­ckeln wür­den. So­weit war die An­ge­le­gen­heit be­reits ge­plant. Alle Schrit­te, von der Ein­nah­me der Ge­bäu­de in Kiew bis zur Er­stür­mung der Waf­fen­la­ger so­wohl des In­nen­mi­nis­te­ri­ums als auch der Streit­kräf­te waren be­reits ge­plant.
Zu­nächst traf sich die EU und die USA öf­fent­lich mit denen, die sie als Füh­rer des Mai­dan be­trach­te­ten, mit Klitsch­ko, Ja­zen­juk, Ty­ah­ni­bok und an­de­ren. Und nur die USA be­grif­fen, wer wirk­lich führt, und wie ge­führt wird. Und sie be­gan­nen mit ihnen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten.

KP: Mit wem?

A.J.: Die Per­so­nen, die ihnen zu Wil­len waren und dies im Un­ter­grund durch­führ­ten, und alle ra­di­ka­len Ak­tio­nen an­lei­er­ten, waren Lut­sen­ko, Grits­en­ko, Gwozd, Ma­lo­musch und Na­li­va­jt­schen­ko, der den Si­cher­heits­dienst von UDAR lei­te­te. Und die Leute, die ihnen zur Seite stan­den. Ihnen und den USA ge­nüg­ten die­je­ni­gen Kräf­te nicht, die sie sich schließ­lich kauf­ten und derer sie sich be­dien­ten, um den be­waff­ne­ten Um­sturz her­bei­zu­füh­ren. Sie führ­ten Ver­hand­lun­gen mit der „Swo­bo­da“, die ihre Vor­schlä­ge ver­warf, und mit dem „Rech­ten Sek­tor“, der von ihren Vor­schlä­gen auch nichts wis­sen woll­te. Aber dann fan­den sie je­man­den, der sich für sie ein­span­nen ließ. Das war zwei Tage vor den grau­en­haf­ten Er­eig­nis­sen, die sich dann auf dem Mai­dan ab­spiel­ten. Diese Per­son war Pa­ru­bij.

KP: Was mei­nen Sie? Der Kom­man­dant des Mai­dan? Der Mann, der in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung je­mand zwi­schen Ver­wal­ter und Be­fehls­ha­ber des Mai­dan war?

A.J.: Ja, genau der. Die Struk­tur des Mai­dan war so be­schaf­fen, daß jede Ein­heit für ihr Ter­ri­to­ri­um ver­ant­wort­lich war. Auf so einem Ter­ri­to­ri­um hatte ein Ver­tre­ter an­de­rer Ein­hei­ten nichts ver­lo­ren. Nie­mand ver­stieß da­ge­gen, weil das konn­te un­an­ge­nehm wer­den, bis zu phy­si­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Aber damit je­mand über­haupt das Ter­ri­to­ri­um des Mai­dan be­tre­ten konn­te, dafür waren die Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te zu­stän­dig, und damit ihr Kom­man­dant Pa­ru­bij. Auch was an Le­bens­mit­teln und Me­di­ka­men­ten dort­hin kam, und die LKWs und Per­so­nen, die sie brach­ten, über­wach­te er per­sön­lich und aus­schließ­lich er. Als die ers­ten Waf­fen auf­tauch­ten, be­ob­ach­te­ten wir, wie jede La­dung von ihm ge­neh­migt wurde. Wer ihn zu um­ge­hen ver­such­te, kam nicht durch. … Eine Schlüs­sel­po­si­ti­on. Weder die „Swo­bo­da“ noch der „Rech­te Sek­tor“ konn­ten sich ohne Pa­ru­bi­js Er­laub­nis ver­sor­gen.
Mit ihm führ­ten die Ame­ri­ka­ner Ver­hand­lun­gen am 19. Feber bis 11 Uhr abends, die mit der Ver­ein­ba­rung en­de­ten, daß er die ihm ver­füg­ba­ren Ein­hei­ten für wei­te­re, nicht genau um­ris­se­ne Ak­ti­vi­tä­ten am 20. ein­set­zen würde.

KP: Am 20., wenn meine Er­in­ne­rung mich nicht täuscht, ver­üb­ten die Mai­dan-​Ak­ti­vis­ten ohne er­sicht­li­chen Anlaß einen An­griff auf die „Ber­kut“-​Ein­hei­ten?

A.J.: Da gibt es noch ein De­tail. Für die­sen An­griff wur­den neu ge­bil­de­te Hun­dert­schaf­ten ver­wen­det. Die, die schon län­ger auf dem Mai­dan waren und den Kern der ge­schul­ten Kämp­fer bil­de­ten – denn auf dem Mai­dan wur­den stän­dig Übun­gen ab­ge­hal­ten – wur­den nicht ein­ge­setzt, son­dern sol­che, die ge­ra­de erst an­ge­kom­men waren. Sie wur­den auf den Mai­dan ge­las­sen und or­ga­ni­sier­ten sich, alles mit der Er­laub­nis Pa­ru­bi­js.
An die­sem Mor­gen be­gann der von Schüs­sen be­glei­te­te An­griff auf die Si­cher­heits­kräf­te des In­nen­mi­nis­te­ri­ums und auf die „Ber­kut“-​Ein­hei­ten. Er ging vom Ge­bäu­de der Phil­har­mo­nie aus, und wir sehen das so, daß sich dort Pa­ru­bi­js Stab be­fand. Nach 30 Mi­nu­ten gab es 23 Ver­letz­te unter den Ord­nungs­kräf­ten des In­nen­mi­nis­te­ri­ums und den „Ber­kut“. Aber nach­dem die­ser An­griff zu­rück­ge­schla­gen wor­den war, wur­den die Kämp­fer von hin­ten von He­cken­schüt­zen be­schos­sen. Viele Po­li­ti­ker wis­sen davon. Sogar sol­che, die jetzt Re­gie­rungs­funk­tio­nen in­ne­ha­ben. Aber nie­mand will das zu­ge­ben.

KP: Weiß Eu­ro­pa von die­sem Schach­zug der USA, oder ge­schah das hin­ter dem Rü­cken der EU?

A.J.: Er­in­nern Sie sich an das Ge­spräch Nu­lands mit dem Bot­schaf­ter der USA, das so­viel Staub auf­ge­wir­belt hat. Sie drück­te dort ihr Ver­hält­nis zur EU klar aus. Die EU woll­te nicht, daß sich die Lage so ent­wi­ckelt. Sie woll­ten Ver­hand­lun­gen, Aus­schöp­fung der Mög­lich­kei­ten, Ei­ni­gung zwi­schen Prä­si­dent und Op­po­si­ti­on. Sie woll­ten sich als Ver­mitt­ler zwi­schen der Ukrai­ne und Ruß­land auf­stel­len und ihren As­so­zia­ti­ons­ver­trag durch­brin­gen.

KP: Eu­ro­pa war mehr auf dem Evo­lu­ti­ons-​Weg?

A.J.: Noch bis zum letz­ten Au­gen­blick re­de­ten sie davon, be­reit zu sein, ihre ganze Po­si­ti­on ge­gen­über Russ­land und der Ukrai­ne zu über­den­ken. Das paßte den USA über­haupt nicht. Wenn sie sich an den Ver­hand­lungs­tisch ge­setzt, einen Kon­sens in die­ser Frage (wel­cher?) ge­fun­den hät­ten und ir­gend­et­was Vor­teil­haf­tes für die Ukrai­ne (was nur?) ge­fun­den hät­ten, – das hätte den USA nicht ge­fal­len, wie Nu­land auch sagte: Eu­ro­pas Maß­nah­men paß­ten ihnen nicht, und es sei un­be­dingt not­wen­dig, Ge­walt an­zu­wen­den.
USA zeig­te seine Ver­ach­tung nicht nur ge­gen­über Russ­land, von der Ukrai­ne ganz zu schwei­gen, aber sie spuck­ten auch auf Eu­ro­pa. Sie gaben der EU eine Ohr­fei­ge, wenn nicht mehr. Aus einer eu­ro­päi­schen Po­li­tik für die Ukrai­ne wurde nichts.
Der Wes­ten ver­stand nicht, daß die Op­po­si­ti­ons­füh­rer – ich rede jetzt nicht von Ty­ah­ni­bok, son­dern von Ja­ze­ni­uk und Klitsch­ko – daß diese Leute nicht die Re­prä­sen­tan­ten des Mai­dan sind. Es sind nur Leute, die auf ir­gend­ei­nem Weg an die Macht ge­kom­men sind – wie Ja­ze­ni­uk. Die wirk­li­che Macht liegt bei Pa­ru­bij. Jetzt stellt sich her­aus, daß der Lei­ter der SNBO – des Rates für na­tio­na­le Si­cher­heit und Ver­tei­di­gung – eine Krea­tur der USA ist. Er ist ein Pro­vo­ka­tor, mit dem die USA Ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fen haben, und der ihre Be­feh­le aus­füh­ren wird.

KP: Der Lei­ter des Na­tio­na­len Si­cher­heits­ra­tes – ein Ge­schöpf der USA, der Lei­ter der SBU Na­li­va­jt­schen­ko – ein Ge­schöpf der USA, gegen den sogar ein Straf­ver­fah­ren er­öff­net wurde? Was geht da vor?

Ich be­to­ne, warum diese Per­so­nen in diese Po­si­tio­nen ge­hievt wur­den. Ich sagte, daß der Mai­dan diese Ak­tio­nen, die Ja­ze­ni­uk bzw. seine Re­gie­rung durch­füh­ren, nicht ak­zep­tie­ren wird. Die ra­di­ka­le Kräf­te brau­chen das nicht. Sie wol­len einen völ­li­ge Um­ver­tei­lung der Macht. Sie wol­len eine kom­plet­te Än­de­rung des Sys­tems, die in der Ukrai­ne herrscht. Und der Mai­dan will von Polen, der EU und den USA nichts wis­sen. Und genau sol­che Leute wie Na­li­va­jt­schen­ko und Pa­ru­bij und ihre Leute sol­len jetzt den Mai­dan auf­lö­sen, die­je­ni­gen Kräf­te ver­nich­ten, die den Vor­stel­lun­gen der USA etwas ent­ge­gen­set­zen kön­nen. Sie wer­den das mit ver­schie­de­nen Ma­china­tio­nen und Ver­haf­tun­gen zu er­rei­chen ver­su­chen. Daran be­tei­ligt sich jetzt auch das In­nen­mi­nis­te­ri­um, ob­wohl das bis zu einem ge­wis­sen Grade de­mo­kra­ti­siert wurde. (?) Diese Kräf­te sol­len also mit Über­re­dung, Be­trug und Geld den Pro­test vom Mai­dan weg­räu­men. Also die Re­prä­sen­tan­ten des Pro­tes­tes, die sich noch auf dem Mai­dan be­fin­den, auf die Seite der USA zie­hen.

Quelle: Komsomolskaja Prawda / Übersetzung: Nestor Machno - Der ganz normale Wahnsinn



Der Fernsehsender Rossiya 1 sendete ebenfalls ein Interview mit Jakimenko:

Real time web analytics, Heat map tracking

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.